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11. Januar 2018 | Von: Gernot Zielonka

Drei Botschaften aus Detroit

Messen sollen Symbolkraft haben und Trends anzeigen. Gleich drei Botschaften sendet in dieser Hinsicht die Automesse von Detroit, die am 13. Januar 2018 mit den Presseveranstaltungen startet. Diese drei Botschaften skizziert Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Botschaftl 1: Die klassischen Automobil-Messen verlieren weiter an Boden und Attraktivität. Das Auto der Zukunft steht immer weniger auf den traditionellen Messen mit ihren angegrauten Konzepten. Regionale Messen, wie etwa die Leipziger AMI, sind längst gestorben und bei den früher großen internationalen Automessen, wie Frankfurt, Detroit oder Paris bleiben immer mehr Autobauer weg. Das ist auch in Detroit unübersehbar.   

Botschaft 2: Der Bedeutungsverlust von Detroit ist größer als bei den anderen traditionellen Automessen wie etwa der Frankfurter IAA, der Paris Motor-Show oder der Tokio Motor Show. Auf dem offiziellen Ausstellerverzeichnis von Detroit fehlen Autobauer, für die USA ein wichtiger Markt ist, wie Mazda, Porsche, Jaguar, Landrover, Mini, Aston Martin, Bentley, Ferrari, Maserati, McLaren, Lamborghini, Rolls-Royce und selbstverständlich Tesla. Andere wie Renault, Peugeot, Citroen oder Opel sind ohnehin nicht in USA vertreten und nicht in Detroit. Neue Marken, wie etwa Byton aus China haben ein paar Tage zuvor – in Las Vegas bei der CES ihre Innovationen gezeigt.  

Ford-Chef Jim Hackett hat bei der CES seine Rede gehalten und die neue Ford Mobility Plattform für Robotaxen und andere autonome Verkehrssysteme in Las Vegas und nicht in Detroit vorgestellt. Carlos Ghosn, der Chef der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi, also dem größten Autobauer weltweit, hat auf der CES in einer Rede mitgeteilt, dass er damit rechnet, dass ab 2024 Robotaxen unterwegs sind und seine Gruppe eine Milliarde dazu in Start-up investiert. Carlos Ghosn fehlt in Detroit wie andere wichtige CEOs. Es läuft was schief mit Detroit. In Detroit steht das Auto von gestern und bei der CES das Auto morgen. Daran kann auch das billige Öl des US-Präsidenten Donald Trump nichts ändern. Mit der Rückkehr zu den alten Konzepten, großen Motoren durch billiges Benzin raubt Donald Trump Detroit die Chancen für Morgen statt Zukunft zu bringen.   

Botschaft 3. Die Bedeutung des Automarktes USA sinkt. Nicht mehr die USA sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten für die Autobauer, sondern China und der Rest Asiens. Fanden im Jahre 2000 noch 34,6 % aller weltweiten verkauften Pkw in USA ihre Käufer, waren es 2017 noch 20,2 % und im Jahre 2025 werden es noch 16,3 % sein. Während in China im Jahre 2000 noch eine verschwindend kleine Zahl aller weltweiten Pkw-Neuwagen (1,2 %) ihre Käufer fanden, ist der Anteil kontinuierlich bis ins Jahr 2017 auf 28,8 % gestiegen und 2025 werden es noch 16,3 % sein. Deutlicher kann ein Rollentausch nicht ausfallen. Trotz aller Bekundungen des US-Präsidenten ist damit klar, dass die Zukunft des Autogeschäfts in Asien, und eben nicht in Detroit liegt. Auch wird die Entwicklung des US-Automarkts im Jahre 2018 ist weniger eine Bestätigung für Donald Trump und Detroit. Der US-Automarkt ist gesättigt, auf 1000 US-Amerikaner kommen 750 Fahrzeuge. Damit ist die entscheidende Variable für die Prognose des US-Automarkts der Auswechselprozess des Fahrzeug-Bestandes. Und da gab es in den letzten drei Jahren einen wichtigen Schub. Damit bleibt trotz bester US-Konjunktur – die OECD hatte im November, also vor Bekanntgabe der US-Steuerreform – noch ein Sozialproduktwachstum für 2018 für die USA von 2,5 % prognostiziert, der Dow-Jones Aktienindex ist auf ein neues Rekordniveau von über 25.000 Punkten gestiegen, der US-Automarkt wenig schwunglos im Jahr 2018 und geht mit 17,05 Mio. Verkäufen im Jahr 2018 um 1,1 % zurück. Kein Drama, aber eben auch keine große Aufbruchstimmung.   

Durchwachsene Bilanz deutsche Autobauer in USA. Die große Wachstums-Story waren die Verkäufe der deutschen Autobauer in den letzten acht Jahren in USA nicht. Insgesamt erzielten die deutschen Autobauer – definiert als Audi, BMW (ohne Mini), Mercedes (ohne Smart), Porsche und VW im Jahr 2017 exakt 1,3 Mio. Fahrzeugverkäufe und einen Marktanteil von nur 7,5 % im US-Markt. Man hat sich zwar im Marktanteil gegenüber dem Jahr 2016 leicht verbessert, aber es bleibt der zweitschlechteste Marktanteil der letzten acht Jahre. Und das hat keineswegs nur mit dem Dieselgate zu tun. VW war auch schon vor Dieselgate in USA schwach und BMW hat nicht durch Dieselgate in USA verloren. Quelle: CAR / NF

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