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10. August 2017 | Von: Heribert Daniel

Autofahrer unterschätzen Unwettergefahren

Sintflutartige Regengüsse, Hagelschlag, Gewitter, der Sommer zeigt sich in diesem Jahr landauf-landab als ein Wetter-Wechselbad mit etlichen Gefahren für Autofahrer. „Viele Autofahrer unterschätzen immer wieder die Gewalt der Naturkräfte und stellen ihre Fahrweise zu spät um“, schildert Thomas Salzinger von TÜV SÜD in München seine Beobachtungen.

Mal wird versucht, vollgelaufene Straßenunterführungen noch zu durchqueren, mal werden Sturmböen oder die Gefahr von Aquaplaning unterschätzt. „Als fatal erweist sich oftmals in solchen Situationen der Glaube an die unbeschränkte Wirksamkeit elektronischer Fahrassistenzsysteme“, warnt der TÜV SÜD-Fachmann: „Bei Aquaplaning beispielsweise helfen ESP und ABS kaum mehr, es fehlt der nötige Kontakt der Reifen zur Straße.“

Das Aquaplaning-Risiko lässt sich reduzieren, wenn man die Fahrbahn sorgsam beobachtet. Aufschwimmen droht, wenn die Fahrstreifen vorausfahrender Fahrzeuge schnell wieder verschwinden oder sich Rinnen oder Pfützen bilden. Weitere Warnhinweise sind ein schwammiges Gefühl im Lenkrad oder ein kurzes Durchdrehen der Antriebsräder beim Überfahren von Fahrbahnmarkierungen, beispielsweise bei der Auffahrt auf die Autobahn. Erhöhtes Aquaplaning-Risiko besteht zudem auf ausgefahrenen Fahrbahnen und in Senken. „Schwimmt der Wagen auf, nicht bremsen, niemals hektisch lenken“, legt Salzinger Autofahrern ans Herz: „Übrigens: Dass Allradler gegen Aquaplaning gefeit sind, ist leider ein weitverbreiteter Irrglaube.“

„Wenn der Fahrer geborgen im klimatisierten Auto sitzt, während draußen die ersten Tropfen fallen, entsteht oft ein trügerisches Gefühl von Sicherheit“, schildert der TÜV SÜD-Fachmann seine Erfahrungen. Selbst wenn der Eindruck etwas Anderes sagt, man sollte sein Fahrverhalten unverzüglich den veränderten Fahrbedingungen anpassen. Regen bedeutet grundsätzlich erhöhte Unfallgefahr. „Vor allem auf kurvenreichen Strecken kann eine unangepasste Fahrweise fatale Folgen haben“, gibt der TÜV SÜD-Fachmann zu bedenken. Bei nasser Fahrbahn wird die Fahrbahn rutschiger. Der Bremsweg verlängert sich. Die Sicht wird schlechter. „Vorrausschauendes Fahren mit angepasster Geschwindigkeit und größtmögliche Abstände zum Vorder- wie zum Hintermann schaffen ebenso Sicherheit in solchen Situationen wie weiches und sanftes Lenken sowie ein gefühlvoller Umgang mit Bremse und Gas“, empfiehlt Salzinger.

Bei plötzlichem Regen sinkt die Sicht drastisch. Drinnen beschlägt die Windschutzscheibe wegen des plötzlichen Temperaturunterschieds. Deshalb auch hier: Geschwindigkeit anpassen sowie Heizung (oder Klimaanlage) und Gebläse auf maximal und in Richtung Frontscheibe stellen. Das sorgt schnell wieder für klare Sicht. Schon vor der Fahrt sollte man überdies darauf achten, dass die Scheibenwaschanlage aufgefüllt ist. Empfehlenswert sind Zusätze für die Entfernung von „Insektenleichen“ von der Frontscheibe. Fehlen diese Additive, drohen durch den Einsatz von Wischwasser starke Sichtbeeinträchtigungen.

Besondere Vorsicht bei Unwettern ist zudem innerhalb geschlossener Ortschaften angesagt. „Hier sollte man verstärkt Fußgänger im Augenmerk halten“, empfiehlt der TÜV SÜD-Fachmann: „Diese wollen oft schnell die Straße überqueren, um der Nässe zu entfliehen, selbst bei roten Fußgängerampeln.“ Im Bereich von Unterführungen und Brückendurchfahrten droht bei sommerlichem Platzregen schnell Überflutungsgefahr. „In solchen überschwemmten Passagen sollte man niemals hineinfahren“, warnt Salzinger: „Hier kann die Elektrik schwer geschädigt werden, im schlimmsten Fall saugt der Motor Wasser an. Beides zieht teure Reparaturmaßnahmen nach sich.“ Quelle: TÜV SÜD / NF

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