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16. Mai 2017 | Von: Heribert Daniel

Endgültig das Ende des Diesels?

Manipulierte Abgaswerte hier, Fahrverbote in Innenstädten da. Die Diskussionen rund um den Diesel und dessen Zukunftsfähigkeit sind in aller Munde. Dass diese am Selbstzünder nicht spurlos vorbeigehen, zeigt eine aktuelle Marktanalyse von carwow, dem Online-Marktplatz für Neuwagen.

Der Analyse zufolge ist die Diesel-Nachfrage im Schnitt um 29 % im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Vergleicht man diesen Wert mit dem Rückgang der Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes in Höhe von 7 %, dann wird klar, dass sich der Abwärtstrend in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte. Die Unsicherheit der Kunden, ob sie mit einem Dieselauto in Zukunft überhaupt noch in die Innenstadt fahren dürfen oder inwiefern die Abgasproblematik aufgeklärt ist, spiegelt sich im Kaufverhalten der deutschen Neuwagenkäufer wider, wie carwow anhand von aktuellen Marktdaten zeigt. Im dritten Quartal des Jahres 2016 haben sich noch knapp 40 % (KBA: 46 %) der Nutzer von carwow einen Diesel konfiguriert. Gegen Jahresende kam es dann zu einem deutlichen Abwärtstrend, der im vierten Quartal zu einem Rückgang auf nur noch 34,2 % (KBA: 44,2 %) führte. Diesen starken Negativtrend setzt der Diesel auch im Jahr 2017 fort.

Vergleicht man nun die Neuzulassungen vom April 2016 und 2017 miteinander, dann erhält man einen Rückgang von lediglich 12,1 %. Doch warum malen die carwow Daten ein so düsteres Bild im Vergleich zu den Zulassungszahlen des KBA? Die Daten des Online-Marktplatzes bilden das Kaufinteresse von Kunden ab. Es handelt sich dabei um Neuwagen-Konfigurationen. Nachdem sich die Kunden ein Fahrzeug konfiguriert haben, müssen sie es erst beim Händler bestellen, bevor es vom Hersteller produziert und danach zugelassen werden kann. Die Zulassungsdaten laufen den Konfigurationen demnach durchschnittlich ca. 3-6 Monate nach und beinhalten auch bereits hergestellte Dieselfahrzeuge, die womöglich mit der heutigen Informationslage vom Kunden gar nicht mehr gekauft worden wären. Die Daten von carwow sind da deutlich näher am Markt und reflektieren das aktuelle Kundenverhalten. So kann das Start-up schon frühzeitig zukünftige Trends erkennen.

Es bleibt nun abzuwarten, ob der Diesel auch weiterhin in der Gunst der Neuwagenkäufer abnimmt oder ob es zu einer Stabilisierung der Nachfrage kommt. Eine Erholung des Dieselmarktes wäre für die deutschen Hersteller und Autohändler wünschenswert, denn “die Lager füllen sich mit Dieselfahrzeugen, während die Lieferzeiten für Benziner weiter steigen,” berichtet Sayler von Amende, Gründer und Geschäftsführer der carwow GmbH. Man könnte nun vermuten, dass diese Abnahme der Diesel-Nachfrage zumindest zum Teil mit einer Zunahme der alternativen Antriebe einhergeht. Doch steigen 42 % der bisherigen Diesel-Interessenten einfach auf den Benziner um. Quelle: carwow / NF

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